Das obligatorische Silvestermenü auf russisch-sowjetisch
Nostalgie ist ein starkes Gefühl - denn wie sonst kann man es erklären, dass die meisten Russen auch 22 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem leisen Niedergang des Kommunismus Silvester immer noch in guter sowjetischer Tradition feiern?
Damals wie heute ist das Neujahrfest eins der wichtigsten Feste in Russland.
Zu Zeiten der Mangelwirtschaft begannen die Menschen schon Monate vor diesem Tag Vorräte zu schaffen. Denn nicht mal den berühmten Sowjetischen Sekt (der übrigens auf Russisch "Sowjetskoje Schampanskoje" heißt, also vom französischen Champagne abgeleitet) konnte man ohne weiteres kaufen. Geschweige denn solche Delikatessen wie Kaviar, polnische Gänseleberpastete oder eine Dose Kamtschatka-Krabben - all die Dinge, von denen jeder Sowjetbürger träumte, sie auf seiner Festtafel zu haben. Viele Staatsbetriebe boten ihren Mitarbeitern kurz vor dem Neujahrfest die sogenannten "Zakasy" an, eine Art Proviantpakete, die neben völlig überflüssigen billigen Konserven auch mal eine Dose Kaviar oder eine Stange ungarische Salami enthielten.
Heute muss man nicht mehr stundenlang Schlange stehen, um eine Flasche Sekt zu kaufen.
Ob Kaviar oder echter französischer Champagner - es ist alles zu haben und nur eine Frage des Geldbeutels. Und weder Salami noch irgendwelche Konserven gelten im heuten Russland noch als etwas Besonderes. Auch die Möglichkeiten, Silvester zu feiern, sind beinahe unbegrenzt. Doch sowohl die Speisekarte als auch die Art, das neue Jahr zu beginnen, sind für viele Menschen in Russland ein Ritual, an dem man unter keinen Umständen rütteln darf. Man trifft sich mit engsten Freunden und Familie an einem üppigen Tisch, um erst mal das alte Jahr beim Essen und Trinken zu verabschieden. Im Raum darf ein Weihnachtsbaum (Entschuldigung, ein Neujahrsbaum [nawagodnjaja jolka], wie man das aus Russischem wörtlich übersetzt) nicht fehlen. Der Fernseher ist eingeschaltet. Dort läuft seit 1975 jedes Jahr die Komödie "Ironie des Schicksals" einer der erfolgreichsten russischen Filme aller Zeiten. Ohne ihn ist ein Silvesterabend undenkbar. Eine Minute vor Mitternacht beginnt die große Uhr am Spasskaja-Trum des Moskauer Kreml zu schlagen ein Signal dafür, schnell noch die Gläser mit dem obligatorischen Sowjetischen Sekt zu füllen, um einander Punkt Mitternacht zuzuprosten und auszurufen: "Frohes Neues Jahr! ! [ss nowym godam!]"
Lassen Sie uns einen Blick auf den feierlich gedeckten Tisch werfen.

Was werden Sie garantiert dort finden? Zwei Highlights sind immer dabei:

  • der Stolitschniy-Salat ("hauptstädtischer Salat" oder auch Salat Oliver ( [aliw'je]) genannt)
  • und ein Krabben-Salat.

Viele bereiten zu Silvester auch Fisch und Fleischsülze oder noch eine höchst interessante russische Spezialität vor den sogenannten "Hering unter dem Pelzmantel" (ein Schichtsalat mit Matjes und rote Bete). Und natürlich dürfen roter oder schwarzer Kaviar, selbstgemachte Piroggen mit Fleisch- oder Fischfüllung, eingelegte Pilze, Salzgurken, Fisch in Marinade, Hering in Rotweinsoße nicht fehlen. Und haben Sie Appetit bekommen? Dann probieren Sie es doch selbst!

Rezept für den Salat Stolitschniy Oliver [aliw'je]
Zutaten:
  • 4 mittelgroße Kartoffeln
  • 2 Möhren
  • 4 Eier
  • Ca. 200 g gekochtes Huhn ohne Knochen (statt Huhn kann man auch gekochtes Rindfleisch oder Kochwurst verwenden. Am besten jedoch schmeckt der Salat, wenn man Rindfleisch und Hähnchen jeweils zu einem Anteil nimmt)
  • 2 Salzgurken (sehr wichtig, dass sie ohne Essig sind!) (in Deutschen Geschäften kann man z.B. Moskauer Gurken für den Salat kaufen)
  • Eine kleine Dose grüne Erbsen
  • optional: Ein mittelgroßer Apfel
  • Mayonnaise (sehr wichtig, eine richtig fette Mayonnaise zu kaufen. Sollte es in Ihrer Nähe einen russischen Lebensmittelladen geben, dann kaufen Sie dort unbedingt die Mayonnaise Provencale!)
  • Salz, Pfeffer, event. Dill

Kartoffeln und Möhren kochen. Eier hart kochen. Alles abkühlen lassen. Kartoffeln und Möhren pellen. Alle Zutaten in kleine Würfel schneiden. Grüne Erbsen (ohne Flüssigkeit!) hinzufügen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und Mayonnaise hinzufügen. Alles gut mischen. Notfalls nochmal abschmecken. Der Salat darf in der Mayonnaise nicht "schwimmen", aber auch nicht zu trocken sein.
Viel kleingehackten Dill drüber streuen.

Krabbensalat Rezept - [krabowyj ssalat]

(Ein klassischer Krabbensalat wird mit Kamtschatkakrabben oder Königskrabben zubereitet. Ihr Fleisch ist leicht süßlich. Doch man kann auch Garnelen, Krevetten, Flusskrebse oder Krabbenstäbchen verwenden)

Zutaten:
  • Ca. 250 g Krabbenfleisch
  • 3 Eier
  • Eine mittelgroße Gurke
  • (optional) Ein Apfel
  • 100 g Reis (kein Basmati Reis!)
  • Mayonnaise
  • Salz, Pfeffer, Dill, Schnittlauch

Eier hart kochen, abkühlen lassen. Reis kochen und abkühlen. Alle Zutaten in kleine Würfel schneiden. Mayonnaise hinzufügen, alles gut mischen, abschmecken. Mit kleingeschnittenem Dill und Schnittlauch dekorieren.

Fischsülze Rezept [saliwnaja ryba]
Zutaten:
  • 1 kg Fisch (am besten Zander, aber auch eine Forelle ist bestens geeignet)
  • 12 g Gelatine
  • Eine Zitrone
  • eine große Möhre
  • eine Zwiebel
  • Salz, Lorbeer, Petersilienwurzeln oder Sellerie

Zander waschen, säubern, in große Stücke schneiden und mit Gewürzen, Möhren und Zwiebeln solange kochen, bis der Fisch weich wird. Den Fisch rausnehmen und in eine nicht besonders tiefe, aber längliche Schüssel legen. Mit Möhren und Zitronenscheiben dekorieren. Die Fischbrühe sieben, Gelatine nach Packungsbeilage hinzufügen. Den Fisch mit dem Fischfond übergießen. über Nacht im Kühlschrank erkalten lassen.
Mit Meerrettich servieren.

Guten Appetit! - ! [prijatnawa appetita]

Und frohes neues Jahr - ! [i ss nowym godam]

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