Und sie bewegt sich doch
8. März 2010Das deutsche Wörtchen “doch” ist äußerst vielseitig. Eine seiner Aufgaben ist der Widerspruch gegenüber einer negativen Aussage:
“Es ist nicht so.” - “Doch, es ist so.”
“Das gibt es nicht” - “Doch, gibt es”.
Man ist versucht, “doch” als den großen Bruder von “ja” zu betrachten. Mit “ja” antwortet man auf positiv formulierte Fragen und Aussagen, mit “doch” auf negativ formulierte, sofern man der Negation widersprechen will. Man widerspricht hingegen einer positiven Aussage oder bestätigt eine negative einfach mit “nein”.
Das ist auch in vielen anderen europäischen Sprachen so, z.B. in Französisch: oui, si, non, außerdem in den skandinavischen Sprachen, die zu den germanischen Sprachen zählen. Lediglich Englisch ist reduziert auf “no” und “yes”, wobei letzteres auch die Aufgaben von “doch” übernimmt.
Auch Russisch hat nur die Adverbien да und нет. Es mag daher naheliegend scheinen, im Russischen auf “да” auszuweichen, wo man im Englischen “yes” für “doch” verwenden würde:
“Такого нет.” - “Да, есть.”
Leider ist das aber falsch, wie ich kürzlich in einem Gespräch in einem Forum feststellen musste. “Да” darf, wie man mir sagte, nur verwendet werden, um Übereinstimmung mit dem Gesprächspartner zu äußern, nicht Widerspruch. Richtig wäre gewesen:
“Нет, есть.”
Im Russischen wird also, anders als im Deutschen, sowohl der positiven als auch der negativen Aussage oder Frage mit нет widersprochen. Hier liegt eine Quelle für mögliche Missverständnisse, denn während wir im Deutschen einer negativen Frage mit “nein” zustimmen können:
“Gibt es das nicht?” - “Nein.”
können wir auf Russisch nicht mit “нет” antworten, ohne zu widersprechen.

