Betreff:: Russischer Verbannungsort gesucht

Gefragt von Hobby-Historiker am 05.06.2018 12:29

Hallo!

Auf der Suche nach den Spuren meiner Ahnen bin ich auf ein Dokument in russischer Sprache aufmerksam geworden, welches mutmaßlich eine Geburtsurkunde ist. Da ich leider der russischen Sprache nicht kundig bin, möchte ich an dieser Stelle gern um Hilfe bei der Lokalisierung bitten.
Der Amtsstempel auf dem Dokument umfasst sechs Zeilen (von unten nach oben):
Oblast Turgai
Gebiet (?) Kustanai
Amtsbezirk (?) Elisabeth
"Selbski Starosta" (?)
"Scherbinowski" (?)
"M. B. (W ?) D."

Würde mir jemand, der sich auskennt, dabei behilflich sein, diesen Ort im damaligen Russischen Reich und im heutigen nördlichen Kasachstan ausfindig zu machen?
Mutmaßlich handelt es sich um einen Verbannungsort im südwestlichen Sibirien, an welchen ein Teil meiner Ahnen ab 1915 aus dem damaligen Kongresspolen verbracht worden ist.

Für jedwede Information wäre ich sehr, sehr dankbar, da ich schon sehr, sehr lange ergebnislos forsche....

Viele Grüße!

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Julia am 06.06.2018 

https://de.wikipedia.org/wiki/Qostanai
https://de.wikipedia.org/wiki/Torghai_(Gebiet)


"Amtsbezirk (?) Elisabeth" -----------
Ich habe nur "Елизаветинский сельский округ" (Yelisawetinskij Landbezirk) gefunden, das 2007 umgenannt wurde und nun "сельский округ Бозайгыр" (Landbezirk Bosajgyir) heißt. Er liegt aber innerhalb dieses Gebietes: https://de.wikipedia.org/wiki/Aqmola_(Gebiet)
Also ist wohl nicht das Gesuchte...

"Selbski Starosta" (?) ------
Das sollte "сельский староста" sein ("Selskij starosta" = Dorfältester).

Danach folgt sein Familienname (Шербиновский oder Щербиновский) und dann die ersten Buchstaben seiner Vor- und Vatersnamen (М.В. = M.W.). Was aber der letzte Buchstabe "D." heißen soll, habe ich keine Ahnung.

P.S. Am besten lade das Foto vom Stempel irgendwo hoch und gib hier den Link. So können wir das besser verstehen und danach suchen, um eventuelle Fehler beim Abschreiben zu vermeiden.

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Nos am 06.06.2018 

Hallo Hobby-Historiker!

Ich halte für angebracht uns den Amtsstempel in Originalsprache zu zeigen. Ansonsten gibt es die Stadt Turgaj in Kustanaj Gebiet (Oblast) in Kasachstan. "Selbski Starosta" - Gemeindevorsteher. "Scherbinowski" - anscheinend der Familienname des Gemeindevorstehers.

Viele Grüße!
Nos

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Hobby-Historiker am 06.06.2018 

Vielen Dank für Eure schnellen Antworten, Julia und Nos!

Ich versuche es mal mit dem Originalstempel:

http://www.bilder-upload.eu/show.php?file=8b6727-1528283761.jpg

Falls es nicht funzt, bitte Bescheid geben....

Und noch was:
Der Ort, nach dem ich primär suche, heißt der Überlieferung nach Serbinow bzw. Scherbilow.
Leider existiert kein Originaldokument mehr, das den Ort im Original nennt - ich hatte bis eben vermutet, dass der fettgedruckte Name des Gemeindevorstehers jener des Ortes ist.......

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Nos am 06.06.2018 

>> ich hatte bis eben vermutet, dass der fettgedruckte Name des Gemeindevorstehers jener des Ortes ist.......

Und hattest recht! Der Ort heisst wirklich Щербиновка
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A9%D0%B5%D1%80%D0%B1%D0%B8%D0%BD%D0%BE%D0%B2%D0%BA%D0%B0_(%D0%9A%D0%BE%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%B0%D0%B9%D1%81%D0%BA%D0%B0%D1%8F_%D0%BE%D0%B1%D0%BB%D0%B0%D1%81%D1%82%D1%8C)#/maplink/1

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Hobby-Historiker am 06.06.2018 

Wow!
Hätte nicht für möglich gehalten, dass das so schnell gehen würde mit einem Treffer!

Nochmals vielen, vielen Dank für die Unterstützung, Nos - endlich scheint der Ort "greifbar" für weitere Recherchen.

Mal sehen, ob auch eine Karte aus zaristischer Zeit, Fotos o.ä. im world wide web zu finden sind.
Es müsste sich ja "lediglich" um ein Dorf bzw. eine Siedlung handeln, habe ich die Vermutung.
Natürlich bin ich an jeglichen Hinweisen weiterhin interessiert.....

Noch eine letzte Frage zur deutschen Entsprechung des Ortsnamens: Kommt das mit "Serbinow" hin, oder spricht man das anders aus?

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Hobby-Historiker am 06.06.2018 

https://picr.de/upload.html

Sind hier womöglich weitere interessante Infos zum Ort enthalten?

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Hobby-Historiker am 06.06.2018 

Sorry, hier der richtige Link:

http://up.picr.de/32901346em.jpg

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Julia am 06.06.2018 

Щербиновка spricht man eher so aus: Schtscherbinowka. Den ersten Laut ähnlich wie beim Komponist Щедрин (Schtschedrin): https://de.wikipedia.org/wiki/Rodion_Konstantinowitsch_Schtschedrin
Aber der Laut an sich ist eigentlich keine Kombination von den zwei nacheinander folgenden Lauten sch + tsch, sondern ein einheitlich klingender Laut (wie ein sehr weiches "sch"). Wenn du mehr wissen möchtest, kannst du dir hier die Beispiele 1 und 3 anhören.

Hier ist der Link zum Screenshot auf deinem Bild:
https://ru.wikipedia.org/wiki/Щербиновка_(Костанайская_область)

Etwas später kann ich dir vielleicht den Inhalt übersetzen.

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Nos am 07.06.2018 

Zur Geschichte der Deutschen in dieser Gegend:
http://forum.wolgadeutsche.net/viewtopic.php?t=3492

http://kostanay1879.ru/index.php?option=com_content&task=view&id=1243&Itemid=46

Ahnensuche:
kostanay1879@mail.ru

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Hobby-Historiker am 07.06.2018 

Einmal mehr möchte ich Euch dafür danken, Julia und Nos, dass Ihr mich so tatkräftig unterstützt!
Das Angebot der Übersetzung würde ich gern annehmen - aber bitte nur, wenn es nicht zu viele Umstände macht.

Die empfohlenen Seiten (Wolgadeutsche u. Kostanay1879) scheinen sehr ergiebig zu sein, doch leider kann ich mangels russischer bzw. kasachischer Sprachkenntnisse nicht wirklich davon profitieren.

Ist Euch bekannt, ob es auch deutsch- oder englischsprachige Quellen zu dieser Region gibt?

Vor allem natürlich möchte ich in Erfahrung bringen, was es mit der Verbannung auf sich hatte.
Die Familie meiner Großmutter stammte aus dem sog. Cholmer Land im früheren "Kongresspolen"; mein Großvater wurde bei Riga im damaligen Livland (heute Lettland)geboren.
Leider kann ich meine Großeltern nicht mehr persönlich befragen, und die mündlichen Überlieferungen sind doch recht unpräzise.
Meine Großmutter wurde nach der Verbannung der Familie in Щербиновка geboren; irgendwann nach dem WK I ging die Familie dann zurück ins Cholmer Land, wo meine Großeltern sich kennen lernten und schließlich heirateten. 1940 folgte dann die Umsiedlung ins Wartheland.....

Leider findet man im Netz wenig Details über die Hintergründe und Abläufe bei der Verbannung der Cholmer Deutschen nach Sibirien ab 1915, und da das Liquidationsgesetz theoretisch auch meinen Großvater im Raum Riga betraf, müsste eigentlich auch dessen Familie auf zaristischen Befehl ins Innere des Russischen Reiches zwangsumgesiedelt worden sein, doch hierüber ist leider überhaupt nichts überliefert.

Kennt Ihr vielleicht eine brauchbare Quelle (vorzugsweise deutsch oder englisch), die auch auf das Schicksal der Baltendeutschen ab 1914/15 etwas näher eingeht?

P.S. Wenn Ihr übrigens das Gefühl haben solltet, dass ich Eure Hilfsbereitschaft überstrapaziere, sagt mir bitte Bescheid, okay?
Ich bin zwar für jeden Hinweis dankbar, doch ausnutzen möchte ich Euch nicht.....

Viele Grüße!

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Julia am 08.06.2018 

Unten ist meine Übersetzung vom Wiki-Artikel über die Gemeinde Schtscherbinowka.


Schtscherbinowka (kasachisch: Щербинов = Schtscherbinow) ist eine Gemeinde im Bezirk Taran im Gebiet Qostanai in Kasachstan. Sie gehört zum Landbezirk Taranowskij (Тарановский сельский округ). Code beim Klassenverzeichnis der administrativ-territorialen Objekte — 396449400.

Geografie.
Die Gemeinde befindet sich etwa 18 km nördlich von der Landkreis-(Bezirk-)Hauptgemeinde Taranowskoje.

Geschichte.
Bis 5. April 2013 gehörte die Gemeinde zum Landbezirk Krasnoselkij (Красносельский сельский округ), der abgeschafft wurde.

Einwohnerschaft.
1999 betrug die Einwohnerzahl 220 Menschen (103 Männer und 117 Frauen). Nach den Zensus-Angaben von 2009 wohnte in der Gemeinde 166 Menschen (78 Männer, 88 Frauen)

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Julia am 08.06.2018 

Was deutsch- oder englischsprachige Quellen betrifft, so wirst du da vielleicht besser findig, als ich... Ich kann ja auch nur mit Hilfe von Google suchen... Aber ich habe leider auch überhaupts nichts Treffendes auf Russisch gefunden, schade.

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Hobby-Historiker am 08.06.2018 

Trotzdem vielen Dank!

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Geschrieben von  Julia am 08.06.2018 

Gerne, wenn auch nicht sehr hilfreich war mein Beitrag...

<<< Zurück zu allen Nachrichten

Schreiben Sie Ihre Antwort oder Kommentare hier:

Betonte Silben können Sie mit { } zeigen. Die Buchstaben zwischen { } werden rot und fett dargestellt. priw{je}t -> priwjet

Name:
Email:
Ihre Kommentare
Bitte tragen Sie die Summe ein:    5+7=  
 
 


Zurück zu allen Nachrichten Neue Frage erstellen