Betreff:: Russische Hörbücher

Gefragt von Katja am 25.12.2012 14:39

Lernen Sie Russisch? Mögen Sie Hörbücher? Dann habe ich für Sie ein Angebot. Ich bin aus Russland, ich lerne Deutsch, deshalb möchte ich mehr auf deutsch hören, um mein Hörverstehen zu trainieren. Ich habe viele russische Audiobücher, aber bei uns ist es leider nicht immer einfach, etwas Interessantes auf deutsch zu finden. Es wäre super, einen Hörbücherfreund aus Deutschland zu finden, um Audiodateien zu tauschen! Wenn Sie daran Interesse haben, schreiben Sie mir!
Viele Grüsse
Katja

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Geschrieben von  Stefan Uffner am 28.12.2012 

Hallo!
Da ich lange Lektor war, kann ich deutsch - nun ja, ein bisschen - anders.
Ich beginne mit einer kitzekleinen Lektion, nämlich: Was hat es mit diesem "scharfen" ß, das wie der griechische Buchstabe beta aussieht, auf sich,
Das "ß" ist eine sogenannte Ligatur, so heissen Zeichen, wo zwei oder mehrere Buchstaben im Druck. also als Letter, zu einem Buchstaben bzw. zu einer Letter zusammengezogen werden, eher wurden.
Typische Ligaturen sind ff, fi, fl, ffi, ffl und ß, nämlich die Ligatur von „langem“ ſ und „rundem“ s, ſs, das hat dann diesen kleinen Bogen bekommen und ist nun das ß.
In Fraktur („gebrochene Schrift“), fälschlich als „deutsch“ benannte Schrift, wird nämlich zwischen rundem s und langem ſ insoferne unterschieden, als das lange ſ niemals am Wortende stehen darf, einzige Ausnahme ist, wenn ein e durch ein Apostroph ersetzt wird:
„Es ist ein Roſʼ entsprungen…“ um aus einem alten Weihnachtslied zu zitieren, in der Variante „Es ist ein Reis (==Knospe, Spross) entsprungen…“ wird deshalb auch das runde s verwendet.
In alten Büchern aus dem 18. Jahrhundert war diese Schreibweise im Englischen etwa auch in lateinischer Druckschrift üblich, im Schweizer Schriftdeutsch ist die Verwendung der Ligatur „ß“ bei lateinischen Lettern lange schon abgeschafft worden, bei Frakturschriften allerdings wird sowohl „ſ" als auch dieses „ß“ nach wie vor verwendet.
Auswirkung auf Betonungen und dergleichen hat dies nicht, wiewohl einige Worte inzwischen ihren vokalverlängernden Doppelbuchstaben verloren haben: Maß schrieb man früher Maass, um es von der Masse zu unterscheiden.
Insoferne hat man in der letzten Rechtschreibreform ein Einsehen gehabt und die Verwendung dieser Ligatur „ß“ auf ganz wenige Fälle - dieses Maß beispielsweise - beschränkt.
Sollte auf der Germanistischen Fakultät nun ein Entrüstungssturm über diese Meinung ausbrechen und Ihnen allerlei Dinge wie dass dies ein „sz“ sei erzählt werden, so können Sie gelassen entgegnen, dass die „sz“-Schreibung aus der alten k.k.-Monarchie stammt, denn im Ungarischen (das zweite k, königlich) repräsentiert der Buchstabe „s“ jenen Laut, der im Deutschen mit „sch“ (in etwa „ø“ im Russischen) und „sz“ der im Deutschen für das „s“ stehende. Um im Telegraphieverkehr zwischen österr. (das erste k, kaiserlich) und Ungarischer Marine Eindeutigkeit zu schaffen, wurde für das „s“ in beiden Sprachen „SZ“ telegraphiert.
Achja, noch ein Mysteriosum: Gross/Groß wird, insbesondere bei Eigen- oder Ortsnamen, öfters in der Schreibweise „Grohs“ dargestellt, dies ist ein Transkriptionsfehler, da das „h“ und besagtes „ſ" in Kurrentschrift (dies ist die sogenannte „Deutsche“ Schreibschrift - übrigens aus der griechischen Schreibschrift kommend, von hellenistischen Juden nach Zentraleuropa gebracht) bei nachlässiger Handschrift kaum zu unterscheiden ist, auch „Grois“ ist ähnlich synthetisiert, wenn dieses „ſ“ zu kurz geriet, wiewohl das Strichlein darüber fast immer gefehlt hat.

Russisch habe ich als Vorschulkind angeblich sehr „schön“ gesprochen, da ich von hier (in Österreich) stationierten Soldaten freundlich aufgenommen wurde: Ich konnte Klavier spielen ;-). In der Schule hatte ich leider nur ein Jahr Russisch-Unterricht, da habe ich das Alphabeth erlernt und auch ein wenig Schreibschrift, aber seither habe ich ausser Buchstabieren nichts mehr gemacht und möche nun - erraten, ich bin „Ruhegenussbezieher“ - Russisch (wieder)erlernen.

Achja, zu „Hörbüchern“
Helmut Qualtinger liest Karl Kraus: https://www.youtube.com/watch?v=H8aac1JQ7rc
(in Youtube nach „Qualtinger“ suchen, da gibt es noch einige Perlen)
https://www.youtube.com/results?search_query=qualtinger&oq=qualtinger&gs_l=youtube.3..0l10.49097.49469.0.49779.2.2.0.0.0.0.242.402.0j1j1.2.0...0.0...1ac.1.YYX8sBkSBaE

Tja, sollte daran was unverständlich sein :-) ;-)
eMail genügt…

Grüsse aus Wien/Âåíà
Stefan

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Geschrieben von  Franz am 30.12.2012 

Ah, interessant :-)

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