Betreff:: Minsk für ein Jahr

Gefragt von Margot am 21.06.2010 18:45

Ich gehe für ein Jahr nach Minsk. Wer hat Erfahrungen mit Land und Leuten? Was sollte man unbedingt mitnehmen? Was wären sinnvolle Gastgeschenke? Wie sieht es mit russischen Sprachkenntnissen aus, wie weit kommt man damit? Gibt es Sprachkurse für Ausländer? Wie läuft der Alltag usw. usw.

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Geschrieben von  meinemeinung am 22.06.2010 

Also es kommt drauf an, wo du wohnen wirst. In eine Gastfamilie oder im Wohnheim. Oder mietest du eine eigene Wohnung? In allen Faellen wirst du grosse Abstriche machen muessen. Im Wohnheim wirst du mit mehreren Mitbewohnern aufeinander hocken, eine Dusche im Keller Stundenweise (eine fuer Maedchen, dann eine fuer Jungs) mit dem gesamten Wohnheim teilen. Dann hast du bestimmt einmal in der Woche nen sanitarnyj den', wo du die Dusche ueberhaupt nicht nutzen kannst. Schliesszeiten von 23/24 bis 6 Uhr waehrend dieser du nicht rein noch raus kommst keine Bekannten ueber Nacht dabehalten usw. Die Gastfamilie wird natuerlich versuchen, es dir so angenehm wie moeglich zu machen. Aber auch das kann unter Umstaenden nicht dem westlichen Verstaendnis von Komfort und Lebensstandard entsprechen. Haengt vom Geldbeutel der Gastgeber ab (und der ist in den allermeisten Faellen ziemlich schmal). Eine Wohnung mieten, dann natuerlich nur moebliert, nehme ich mal an. Hier solltest du wissen, dass versucht wird aus allem das Maximum rauszuholen. Oder noch krasser, mit moeglichst wenig Aufwand (Gegenleistung) maximal viel verdienen. Sprich: ein vor 20 Jahren zuletzt renoviertes und mit noch aelteren Moebeln aus sowjetischer, wenn du Glueck hast DDR-, Produktion moebliertes Zimmer fuer 200EUR/Monat vermieten, auch, wenn es warmes Wasser nurdann gibt, wenn du sowieso gerade nicht zu Hause bist, die Heizung im April abgeschaltet und im Oktober erst wieder eingeschaltet wird. Wo dir mal fuer 2 Wochen zwecks "Erneuerungsarbeiten" komplett das warme Wasser abgestellt wird (wobei du es natuerlich weiterhin zu bezahlen hast, versteht sich). Kurz und gut, du wirst von vorn bis hinten besch***, wenn du nicht aufpasst. Und wenn du aufpasst, ist man wohl noch beleidigt. Das gilt um so mehr fuer Auslaender (aus dem "Westen"). Das ist voellig normal und du solltest deswegen nicht eingeschnappt und beleidigt sein. Nur wissen solltest du das. Ohne "fremde" Hilfe (am besten durch gute Bekannte) wirst du ziemlich dumm dastehen. Vielleicht ist die Variante mit der Gastfamilie die beste.
Mitnehmen brauchst du eigentlich nichts, man kann alles kaufen (Was du nicht kaufen willst, nimmst du halt mit ;-) aber es gibt nichts, was du unbedingt brauchst und es nicht zu kaufen gibt). Besorge dir ne Kreditkarte fuer das Geldabheben am Bankomaten! Die normalen Girokontos (Maestro, EC) gehen zwar auch, haben aber gewaltige Gebuehren (7,50 EUR pro Abhebung). Es gibt VISA-Karten mit 10 kostenlosen Auslandsabhebungen und ansonsten nehmen die nur 1,7% oder so. Wenn es in Richtung Compuer und Haushaltstechnik geht, dann bist du besser dran, es in Deutschland zu kaufen. Es ist billiger und meistens auch besser. Solltest du ins Wohnheim gehen, nimm ein Taschenmesser (oder Messer und Gabel) umd ein Trinkbecher mit. Besteck unf Geschirr kann man sich vor Ort dann nach Bedarf kaufen.
Als Gastgeschenk kommt alles gut an, was von Herzen kommt. Nimm etwas, was es deiner Meinung nach nur in deiner Region gibt! Und lass es nicht gleich zu persoenlich sein. Also der schaffnerin im Zug nach der Reise ein kleines (Probe-) Flaeschhcen Parfuem zu schenken geht, aber irgendwie einem Maedel (ich spreche hier aus meiner - Maenner- - Sicht) gleich ein teures Eau the Toilette mitzubringen ist nicht ganz passend. Ansonsten ab und zu ein Strauss Blumen fuer die Dame(n) kommt immer gut an, aber den kannst du ja vor Ort kaufen. Bedenke fuer Traurige Anlaesse ist die Anzahl der Blumen gerade. Nelken gelten generell mehr als Blume fuer Verstorbene (also Friedhof und Denkmaeler). Also immer auf eine ungerade Zahl achten. Bei den Maennern bist du mit nem guten Alkoholischen Getraenk immer gut dabei. Also ein Obstbrand vom Bauern aus deiner Region waere etwas. Weiterhion keine Messer, sowie teucher, Laken, Decken verschenken. Messer (wenn es vielleicht ein Jaeger oder Waffensammler ist) wenn, dann (fuer einen Symbolischen preis) verkaufen. Decken, Tuecher, Laken werden mit Leichentuechern in Verbindung gebracht und man koennte das so verstehen, dass du ihnen Boeses wuenschst. Und nichts an der Tuer(ueber die Schwelle) verschenken. Also von wegen Hallo, da bin ich, und das ist fuer Sie! Erst mal ankommen dann alles Weitere. Frauen die Hand zur Begruessung zu geben ist nicht ueblich. Wenn Maenner es tun, gilt es sogar als ruepelhaft (natuerlich nicht, wenn die Frau ihnen zuerst die Hand reicht). Es ist ueblich, sich zu umarmen.
Wie es mit Sprachkenntnissen aussieht, musst du selbst wissen ;-) Aber soweit: mit Russisch brauchst du dir in Minsk und allen anderen Staedten keine Sorgen zu machen, dort sprechen alle Russisch und du musst nicht belorussisch oder was lernen. Damit ist es eher wahrscheinlicher, dass DU nicht verstanden wirst. Fuer Auslaender duerfte es an jeder Uni Sprachkurse geben. Ich wuerde mich an die paedagogidche Uni wenden, die haben garantiert Kurse (auch individuelle). Jede Uni hat ein Auslandsamt (mezhdunarodnyj otdel), in denen auch Deutsch, aber auf jeden Fall Englisch, gesprochen wird. Also ganz getrost per mail anschreiben... (dfr@bspu.unibel.by - AA der Belorussischen staatl. paedagogischen Universitaet Minsk)
Alltag ist wie ueberall in grossen Staedten denke ich... Nur, dass du Geschaefte und Supermaerkte sehen wirst, die bis 24 Uhr oder rund um die Uhr geoeffnet haben. Also es kein Problem ist, wenn du spaet abends oder nachts schnell irgenwohin eingeladen wirst, noch ein paar Bier oder Pralinen und Wein zu kaufen. Einrichten musst du dich darauf, dass du bei der Post und jeglichen Aemtern und oeffentlichen Einrichtungen auf unfreundliche, arbeitsscheue und lasst-mich-blos-in-Ruhe-Menschen vor langen Warteschlangen findest. Also ein einfaches Paeckchen nach Deutschland zu schicken kann gerne mal 1,5 Stunden dauern, bis du erst mal an der Reihe bist (wobei irgendwelche Omas dir zeternd klarmachen, dass sie die 3 Plaetze vor dir schon vor einer Stunde besetzt haetten und nur mal weggegangen sind, um ihre Dokumente auszufuellen, die sie auch zu Hause haetten machen koennen), die Zollerklaerung (welche du womoeglich auf deine Kosten kopieren musst, weil angeblich wenig Blanketten da sind) ausgefuellt hast, der Inhalt ueberprueft wurde (ja, nix von wegen Paeckchen packen und abgeben, alles erst in der Post vor den Beamten verschliessen!), das Paket eingenaeht und mit reeeiiichlich Siegellack versehen wurde (man koennte ja noch einege Gramm herausholen, was dann natuerlich teurer wird) und du dann zur naechsten Warteschlange geschickt wirst, um zu bezahlen. Das gleiche Spiel in allen moeglichen Variationen findest du Ueberall, wo Beamte taetig sind. Also wenn du solche Er;ledigungen vor hast, immer eichlich viel Zeit einplanen und sich fuer hinterher nichts vornehmen, das platzt sowieso mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Nimm dir immer einen mit, der sich da auskennt, ansonsten wirst du zusaetzlich zu dem ganzen Durcheinander noch angeschmiert. Alles andere richtest du so ein, wie es dir gefaellt. Suchst dir halt die Leute aus, mit denen alles glatt geht. Wobei du auch wissen solltest, dass gleich und einen Moment bitte manchmal mit 1-2 bzw. 30 Minuten zu uebersetzen ist. Wenn dir also ein maechen sagt ich mache mich fertig und komme gleich, dann sitzt die mindestens 1,5 Stunden im Badezimmer und macht sich die Haare, schminkt sich entscheidet 10 mal, was sie denn nun anzieht usw... einfach mal so 30 Minuten vor dem Film jemanden ins Kino "bestellen" ist nicht drin (ich rede da von meinen Erfahrungen, es finden sich bestimmt auf Anhieb 10 Leute, die das abstreiten oder relativieren, aber ich habe nun so ungefaehr 4 jahre mit diesen Leuten zu tun und auf "positive Ausnahmen" bin ich bis jetzt nicht gestossen).
Aber trotz all dieser "Unannehmlichkeiten" wird es garantiert aufregend und spannend, dass verspreche ich dir jetzt schon. Richte dich einfach drauf ein und mach das Beste daraus. Dann sind es am Ende deines Aufenthalts nur noch Kleinigkeiten.

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Geschrieben von  Margot am 22.06.2010 

Vielen, vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Also wenig Unterschiede zu Rußland, deine Erfahrungen decken sich mit meinen aus Moskau. Wie sieht es mit Internet aus, funktioniert das und wieviel Geld braucht man zum Leben in Euro so pro Monat? Die Unterkunft bezahlt der Arbeitgeber.
Nochmals vielen Dank!

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Geschrieben von  Anja am 22.06.2010 

Margot,
ich lebe in Minsk, bin Belorussin
das Leben hier ist billiger als das in Deutschland :)
Internet funktioniert aber leider ist die Geschwindigkeit geringt ;)
wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich, ich wuerde Ihnen gern helfen
mein email annytik_24@mail.ru, ich bin zufaellig da
liebe Gruesse aus Minsk :)

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Geschrieben von  meinemeinung am 24.06.2010 

Also auf 400-Euro Basis solltest du schon einigermassen ueber die Runden kommen ;-) Wenn der Arbeitgeber dazu noch die Unterkunft bezahlt, gehoerst du damit sogar zu den Besserverdienenden. Wenn du einen eigenen Internetanschluss meinst, kann es schwierigwerden. Entweder ist deine Wohnung relativ neu und es "lohnt sich" fuerden Dienstanbieter, dann bekommst du relativ guenstig auch recht flottes Internet in deine Wohnung verlegt. Dauert maximaleine Wochebei einem serioesen Anbieter. Wer dafuer in Frage kommt, musst du vor Ort erfragen. Ansonsten duerften die Unis mit passablem Internet ausgestattet sein. Bezahlsthalt ein bisschen, wie im Internetcafe und gut. Oder gehst gleich in ein solches...
Ansonsten hat Anjuta bestimmt aktuellere und mehr Infos als ich :)

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